Pressemitteilung
Der Königin auf der Spur: Ein Orgelspaziergang durch Hannovers Altstadt
Hannover. Am Montagnachmittag, dem 5. Oktober verwandelte sich die historische Altstadt von Hannover in eine lebendige Klanglandschaft. Im Rahmen der landeskirchenweiten Orgelentdeckertage luden die Kirchenmusiker zu einem besonderen Orgelspaziergang ein, der Erwachsene und Kinder für die Königin der Instrumente begeistern sollte.
Der musikalische Rundgang startete in der Kreuzkirche, wo die Besucher die dortige Hammer/Bente-Orgel ganz genau unter die Lupe nehmen durften. Wie viele Pfeifen mag sie wohl haben? Wie groß ist die kleinste Pfeife und wie lang die größte, in Fuß gerechnet? Um diesen Geheimnissen auf den Grund zu gehen, durften die Gäste sogar in das Innere des Instruments schauen.
Kreuzkirchen-Organist Axel La Deur zog dabei einen lebhaften Vergleich: „Die Orgel ist dem menschlichen Körper nachempfunden, das Gebläse ist die Lunge. Es bringt aber keine Luft in die Orgel, sondern den sogenannten Wind. Die Balganlage ist das Zwerchfell und die Abstrakte sind die vielen einzelnen Nervenbahnen, die das Ventil an den Pfeifen öffnen, wenn der Organist (das Gehirn) eine Taste drückt.“
Eine Besonderheit des Instruments kam dabei ebenfalls zur Sprache: Früher besaß die Orgel Abstrakte aus Aluminium, da das Material damals billiger war. Das fühlt sich beim Spielen jedoch nicht so weich an wie „Nervenbahnen“ aus ganz fein gehobeltem Eschenholz. Der Orgelbauer Bente hat deshalb viel Zeit darauf verwendet, das Innenleben mit Holz und feinen japanischen Sägen originalgetreu zu restaurieren, erzählt LaDeur.
Danach hatten die Besucher Gelegenheit, dem Organisten direkt bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Bei einem kleinen Hörtest spielte Axel La Deur nach und nach die höchsten Töne der Orgel. Die Aufgabe: Man sollte sich melden, sobald der Ton so hoch wird, dass man ihn nicht mehr wahrnimmt. Es dauerte nicht lange, bis sich die biologischen Unterschiede zeigten – und kein Wunder, dass sich ein älterer Herr deutlich früher meldete als die anwesenden Kinder.
Im Anschluss an die Führung hieß es: selbst ans Werk gehen! Im Altarraum lag bereits der Inhalt von zwei großen Rollkoffern bereit. Unter der Anleitung von Expertin Sabine Nauber setzten die Besucher Schritt für Schritt die sogenannte „Doe-Orgel“ (abgeleitet vom niederländischen Wort für „tun“) zusammen – Taste für Taste, Flöte für Flöte. Als Axel La Deur am Schluss ein Ständchen auf dem selbstgebauten Instrument spielte, waren die Menschen sichtlich erstaunt, wie kräftig und melodisch so eine Miniatur-Orgel klingen kann.
Nach diesem Erfolg bewegte sich die Gruppe weiter zur Marktkirche, der Heimat der größten Orgel Hannovers. Doch bevor es zur mächtigen Hauptorgel ging, hielt Organist Matthias Flierl eine ganz besondere Überraschung bereit: eine kleine italienische Renaissanceorgel, deren Balganlage noch komplett händisch bedient werden kann. Das Highlight dieses historischen Stücks sei das eingebaute Vogelgezwitscher. „Im Inneren sind ein paar kleine Orgelpfeifen in Wasser getaucht. Wenn man dieses kleine Register hier zieht, zwitschert es“, erklärte Flierl schmunzelnd, während ein täuschend echtes Vogelzwitschern durch den Raum hallte.
Zum krönenden Abschluss ging es hoch hinaus auf die große Orgelempore. Hier demonstrierte Flierl eindrücklich und mit spürbarer Begeisterung, welche Urgewalt in dem Hauptinstrument des Hannoverschen Wahrzeichens steckt, und zeigte den Gästen, wie atemberaubend laut die Marktkirchenorgel werden kann, wenn man sprichwörtlich alle Register zieht.
Pressekontakt
Silke Lindenschmidt
Leitung VISION KIRCHENMUSIK
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