Pres­se­mit­tei­lung

Der Königin auf der Spur: Ein Orgelspaziergang durch Hannovers Altstadt

08. Okto­ber 2026

Han­no­ver. Am Mon­tag­nach­mit­tag, dem 5. Okto­ber ver­wan­del­te sich die his­to­ri­sche Alt­stadt von Han­no­ver in eine leben­di­ge Klang­land­schaft. Im Rah­men der lan­des­kir­chen­wei­ten Orgel­ent­decker­tage luden die Kir­chen­mu­si­ker zu einem beson­de­ren Orgel­spa­zier­gang ein, der Erwach­se­ne und Kin­der für die Köni­gin der Instru­men­te begeis­tern soll­te.

Der musi­ka­li­sche Rund­gang star­te­te in der Kreuz­kir­che, wo die Besu­cher die dor­ti­ge Ham­mer/­Ben­te-Orgel ganz genau unter die Lupe neh­men durf­ten. Wie vie­le Pfei­fen mag sie wohl haben? Wie groß ist die kleins­te Pfei­fe und wie lang die größ­te, in Fuß gerech­net? Um die­sen Geheim­nis­sen auf den Grund zu gehen, durf­ten die Gäs­te sogar in das Inne­re des Instru­ments schau­en.

Kreuz­kir­chen-Orga­nist Axel La Deur zog dabei einen leb­haf­ten Ver­gleich: „Die Orgel ist dem mensch­li­chen Kör­per nach­emp­fun­den, das Geblä­se ist die Lun­ge. Es bringt aber kei­ne Luft in die Orgel, son­dern den soge­nann­ten Wind. Die Balg­an­la­ge ist das Zwerch­fell und die Abs­trak­te sind die vie­len ein­zel­nen Ner­ven­bah­nen, die das Ven­til an den Pfei­fen öff­nen, wenn der Orga­nist (das Gehirn) eine Tas­te drückt.“

Eine Beson­der­heit des Instru­ments kam dabei eben­falls zur Spra­che: Frü­her besaß die Orgel Abs­trak­te aus Alu­mi­ni­um, da das Mate­ri­al damals bil­li­ger war. Das fühlt sich beim Spie­len jedoch nicht so weich an wie „Ner­ven­bah­nen“ aus ganz fein geho­bel­tem Eschen­holz. Der Orgel­bau­er Ben­te hat des­halb viel Zeit dar­auf ver­wen­det, das Innen­le­ben mit Holz und fei­nen japa­ni­schen Sägen ori­gi­nal­ge­treu zu restau­rie­ren, erzählt LaDeur.

Danach hat­ten die Besu­cher Gele­gen­heit, dem Orga­nis­ten direkt bei der Arbeit über die Schul­ter zu schau­en. Bei einem klei­nen Hör­test spiel­te Axel La Deur nach und nach die höchs­ten Töne der Orgel. Die Auf­ga­be: Man soll­te sich mel­den, sobald der Ton so hoch wird, dass man ihn nicht mehr wahr­nimmt. Es dau­er­te nicht lan­ge, bis sich die bio­lo­gi­schen Unter­schie­de zeig­ten – und kein Wun­der, dass sich ein älte­rer Herr deut­lich frü­her mel­de­te als die anwe­sen­den Kin­der.

Im Anschluss an die Füh­rung hieß es: selbst ans Werk gehen! Im Altar­raum lag bereits der Inhalt von zwei gro­ßen Roll­kof­fern bereit. Unter der Anlei­tung von Exper­tin Sabi­ne Nau­ber setz­ten die Besu­cher Schritt für Schritt die soge­nann­te „Doe-Orgel“ (abge­lei­tet vom nie­der­län­di­schen Wort für „tun“) zusam­men – Tas­te für Tas­te, Flö­te für Flö­te. Als Axel La Deur am Schluss ein Ständ­chen auf dem selbst­ge­bau­ten Instru­ment spiel­te, waren die Men­schen sicht­lich erstaunt, wie kräf­tig und melo­disch so eine Minia­tur-Orgel klin­gen kann.

Nach die­sem Erfolg beweg­te sich die Grup­pe wei­ter zur Markt­kir­che, der Hei­mat der größ­ten Orgel Han­no­vers. Doch bevor es zur mäch­ti­gen Haupt­or­gel ging, hielt Orga­nist Mat­thi­as Flierl eine ganz beson­de­re Über­ra­schung bereit: eine klei­ne ita­lie­ni­sche Renais­sance­or­gel, deren Balg­an­la­ge noch kom­plett hän­disch bedient wer­den kann. Das High­light die­ses his­to­ri­schen Stücks sei das ein­ge­bau­te Vogel­ge­zwit­scher. „Im Inne­ren sind ein paar klei­ne Orgel­pfei­fen in Was­ser getaucht. Wenn man die­ses klei­ne Regis­ter hier zieht, zwit­schert es“, erklär­te Flierl schmun­zelnd, wäh­rend ein täu­schend ech­tes Vogel­zwit­schern durch den Raum hall­te.

Zum krö­nen­den Abschluss ging es hoch hin­aus auf die gro­ße Orgel­em­po­re. Hier demons­trier­te Flierl ein­drück­lich und mit spür­ba­rer Begeis­te­rung, wel­che Urge­walt in dem Haupt­in­stru­ment des Han­no­ver­schen Wahr­zei­chens steckt, und zeig­te den Gäs­ten, wie atem­be­rau­bend laut die Markt­kir­chen­or­gel wer­den kann, wenn man sprich­wört­lich alle Regis­ter zieht.

Bil­der und Text: Meret Köh­ne 

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